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Was ist der Fahrlehrer?

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 09. April 2026
Lesedauer: 8 Minuten

Alles auf einen Blick

  • Ein selbständig tätiger Fahrlehrer kann mit seinen Unterrichtseinnahmen Einkünfte aus selbständiger Arbeit erzielen, wenn seine Tätigkeit als unterrichtende Tätigkeit einzuordnen ist.
  • Unterrichtet ein Fahrlehrer gegen eine tätigkeitsbezogene Vergütung, wird er nach den amtlichen Hinweisen regelmäßig als selbständig und nicht als Arbeitnehmer behandelt.
  • Gewerbesteuer fällt nur an, wenn ein Gewerbebetrieb vorliegt; reine unterrichtende Tätigkeit bleibt deshalb grundsätzlich außerhalb der Gewerbesteuer.
  • Umsatzsteuerlich ist ein Fahrlehrer Unternehmer, wenn er nachhaltig und selbständig Einnahmen erzielt.
  • Eigener Fahrschulunterricht zum Erwerb der Fahrerlaubnisklassen B und C1 ist nicht automatisch steuerfrei; daneben kann aber eine Steuerbefreiung nach § 4 Nr. 21 UStG oder die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG in Betracht kommen.

Fahrlehrer Definition

Ein selbständig tätiger Fahrlehrer kann mit seinen Unterrichtseinnahmen Einkünfte aus selbständiger Arbeit aus unterrichtender Tätigkeit erzielen (§ 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG). Umsatzsteuerlich ist er Unternehmer, wenn er nachhaltig und selbständig Einnahmen erzielt (§ 2 Abs. 1 UStG).

Wie wird der Fahrlehrer steuerlich berücksichtigt?

Für die Einkommensteuer ist zuerst zu prüfen, ob der Fahrlehrer selbständig oder nichtselbständig tätig ist. Unterrichtet er gegen eine tätigkeitsbezogene Vergütung, behandeln die amtlichen Hinweise Fahrlehrer regelmäßig als selbständig und nicht als Arbeitnehmer. Liegt eine selbständige unterrichtende Tätigkeit vor, kommen Einkünfte aus selbständiger Arbeit in Betracht.

Für die Gewerbesteuer ist entscheidend, ob überhaupt ein Gewerbebetrieb besteht. Da nur der Gewerbebetrieb der Gewerbesteuer unterliegt, bleibt reine unterrichtende Tätigkeit grundsätzlich außerhalb der Gewerbesteuer. Werden daneben trennbare gewerbliche Nebenleistungen erbracht, sind die Bereiche getrennt zu würdigen.

Umsatzsteuerlich ist der Fahrlehrer Unternehmer. Eigener Fahrunterricht in einer Fahrschule zum Erwerb der Fahrerlaubnisklassen B und C1 ist nach der aktuellen BFH-Linie und dem Umsatzsteuer-Anwendungserlass nicht schon deshalb steuerfrei, weil Unterricht erbracht wird. Eine Steuerbefreiung kommt aber in Betracht, soweit der Fahrlehrer Schüler einer begünstigten Hochschule, Schule oder berufsbildenden Einrichtung persönlich unterrichtet und die Einrichtung die Voraussetzungen des § 4 Nr. 21 Satz 1 Buchstabe a UStG erfüllt.

Daneben kann unabhängig von der Bildungsbefreiung die Kleinunternehmerregelung greifen. Dann sind Umsätze steuerfrei, wenn der Gesamtumsatz im vorangegangenen Kalenderjahr 25.000 Euro nicht überschritten hat und im laufenden Kalenderjahr 100.000 Euro nicht überschreitet.

Praktische Beispiele

Beispiel 1: Eigener Fahrunterricht in der Fahrschule

Ein Fahrlehrer erzielt in einem Monat netto 4.000,00 Euro aus Fahrstunden der Fahrerlaubnisklasse B. Für betriebliche Kosten liegen ordnungsgemäße Rechnungen mit 190,00 Euro Vorsteuer vor. Umsatzsteuer: 4.000,00 Euro x 19 Prozent = 760,00 Euro. Zahllast: 760,00 Euro – 190,00 Euro = 570,00 Euro.

PositionErläuterungBetrag
NettohonorarMonatliche Unterrichtsumsätze4.000,00 Euro
UmsatzsteuerSteuer auf die Ausgangsumsätze760,00 Euro
VorsteuerAbziehbare Steuer aus Eingangsrechnungen190,00 Euro
ZahllastAn das Finanzamt abzuführen570,00 Euro

Ergebnis: Der Fahrlehrer stellt 4.760,00 Euro in Rechnung und führt 570,00 Euro Umsatzsteuer an das Finanzamt ab, soweit die Eingangsleistungen seinem steuerpflichtigen Unternehmen zuzuordnen sind.

Beispiel 2: Unterricht an einer begünstigten berufsbildenden Einrichtung

Ein Fahrlehrer unterrichtet als selbständiger Lehrer persönlich die Teilnehmer einer privaten berufsbildenden Einrichtung, für die die Voraussetzungen des § 4 Nr. 21 Satz 1 Buchstabe a UStG erfüllt sind. Sein monatliches Honorar beträgt 3.000,00 Euro.

PositionErläuterungBetrag
HonorarUnterricht an der Einrichtung3.000,00 Euro
UmsatzsteuerSteuerfreie Leistung0,00 Euro
AuszahlungsbetragHonorar ohne Steueraufschlag3.000,00 Euro

Ergebnis: Der Fahrlehrer weist keine Umsatzsteuer aus. Für Eingangsleistungen, die unmittelbar dieser steuerfreien Leistung zuzuordnen sind, ist der Vorsteuerabzug ausgeschlossen.

Beispiel 3: Trennbare Misch-Tätigkeit

Ein Fahrlehrer erzielt 6.000,00 Euro aus Unterricht und 1.000,00 Euro aus einem separat organisierten Verkauf von Lernmaterialien. Beide Bereiche sind nach der Verkehrsauffassung trennbar.

BereichErläuterungBetrag
Unterrichtselbständige Arbeit6.000,00 Euro
Lernmaterialienverkaufgewerbliche Tätigkeit1.000,00 Euro
Gesamteinnahmenbeide Bereiche zusammen7.000,00 Euro

Ergebnis: Soweit die Tätigkeiten trennbar sind, sind auch die Einkünfte getrennt zu erfassen.

Ausnahmen und Besonderheiten

  • Eigener Fahrschulunterricht ist nicht automatisch umsatzsteuerfrei. Der aktuelle Umsatzsteuer-Anwendungserlass stellt ausdrücklich klar, dass Fahrschulunterricht zum Erwerb der Fahrerlaubnisklassen B und C1 kein Schul- und Hochschulunterricht ist.
  • Steuerfreiheit kann greifen, soweit der Fahrlehrer als selbständiger Lehrer an einer Hochschule, öffentlichen Schule oder an einer privaten Schule beziehungsweise anderen allgemeinbildenden oder berufsbildenden Einrichtung unterrichtet, die die Voraussetzungen des § 4 Nr. 21 Satz 1 Buchstabe a UStG erfüllt.
  • Die Steuerbefreiung setzt persönliche Unterrichtserteilung voraus. Der selbständige Lehrer muss die Schüler selbst unterrichten.
  • Auch ohne Bildungsbefreiung kann die Kleinunternehmerregelung nach § 19 Abs. 1 UStG dazu führen, dass keine Umsatzsteuer ausgewiesen wird, wenn die Umsatzgrenzen von 25.000 Euro im Vorjahr und 100.000 Euro im laufenden Jahr eingehalten werden.
  • Werden steuerfreie Umsätze nach § 4 Nr. 21 UStG oder nach § 19 UStG ausgeführt, ist der Vorsteuerabzug für die damit zusammenhängenden Eingangsleistungen grundsätzlich ausgeschlossen.

Vorteile

  • unterrichtsnahe Einordnung: Selbständige Unterrichtstätigkeit kann als Einkünfte aus selbständiger Arbeit behandelt werden.

  • mögliche Gewerbesteuerfreiheit: Reine unterrichtende Tätigkeit löst grundsätzlich keine Gewerbesteuer aus.

  • gezielte Steuerbefreiung: Unterricht an begünstigten Einrichtungen kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen umsatzsteuerfrei sein.

  • saubere Trennung: Trennbare Unterrichts- und Nebentätigkeiten können steuerlich getrennt erfasst werden.

Nachteile

  • enge Einzelfallprüfung: Die steuerliche Einordnung hängt stark von den tatsächlichen Verträgen und Abläufen ab.

  • regelmäßige Umsatzsteuer: Eigener Fahrunterricht in der Fahrschule ist häufig steuerpflichtig.

  • begrenzter Vorsteuerabzug: Bei steuerfreien Umsätzen entfällt der Vorsteuerabzug für zugehörige Kosten.

  • zusätzliche Aufteilung: Misch-Tätigkeiten erfordern eine saubere Trennung von Einnahmen, Ausgaben und Leistungen.

HINWEIS DER REDAKTION
Unser Steuerlexikon basiert auf dem jeweils aktuellen Stand von Rechtsprechung und Gesetzgebung zum Zeitpunkt der Erstellung. Da sich steuerliche Regelungen dynamisch entwickeln, können spätere Anpassungen erforderlich sein. Wir verfolgen Änderungen kontinuierlich und aktualisieren die Inhalte regelmäßig. Dieses Lexikon ersetzt keine individuelle Steuerberatung. Bitte konsultieren Sie in spezifischen Fällen einen Steuerberater.


Fazit

Für Fahrlehrer ist steuerlich nicht die Berufsbezeichnung, sondern die konkrete Ausgestaltung der Tätigkeit entscheidend. Selbständige Unterrichtstätigkeit kann zu Einkünften aus selbständiger Arbeit führen, und reine Lehrtätigkeit bleibt dann regelmäßig außerhalb der Gewerbesteuer. Umsatzsteuerlich ist eigener Fahrunterricht dagegen nicht automatisch befreit; begünstigt sind nur eng umrissene Fälle, etwa der persönliche Unterricht an qualifizierten Schulen oder berufsbildenden Einrichtungen oder die Kleinunternehmerregelung. Wer mehrere Tätigkeiten verbindet, sollte Einnahmen, Ausgaben und Verträge sauber trennen.

Häufige Fragen (FAQ)

Wann erzielt ein Fahrlehrer Einkünfte aus selbständiger Arbeit?

Einkünfte aus selbständiger Arbeit kommen in Betracht, wenn der Fahrlehrer seine Unterrichtstätigkeit selbständig ausübt und diese als unterrichtende Tätigkeit einzuordnen ist. Maßgeblich ist also nicht nur die Berufsbezeichnung, sondern die tatsächlich ausgeübte Tätigkeit.

Wann gilt ein Fahrlehrer steuerlich regelmäßig nicht als Arbeitnehmer?

Nach den amtlichen Lohnsteuer-Hinweisen gilt ein Fahrlehrer regelmäßig nicht als Arbeitnehmer, wenn er gegen eine tätigkeitsbezogene Vergütung unterrichtet. Entscheidend bleiben aber stets die tatsächlichen Verhältnisse des Einzelfalls.

Warum ist eigener Fahrunterricht meist umsatzsteuerpflichtig?

Eigener Fahrunterricht in der Fahrschule zum Erwerb der Fahrerlaubnisklassen B und C1 ist nach der aktuellen BFH-Rechtsprechung und dem Umsatzsteuer-Anwendungserlass kein Schul- und Hochschulunterricht. Deshalb greift die Bildungsbefreiung hierfür nicht automatisch.

Wann kann Fahrunterricht trotzdem umsatzsteuerfrei sein?

Steuerfreiheit kommt in Betracht, wenn der Fahrlehrer als selbständiger Lehrer Schüler einer begünstigten Hochschule, Schule oder berufsbildenden Einrichtung persönlich unterrichtet und die Einrichtung die Voraussetzungen des § 4 Nr. 21 Satz 1 Buchstabe a UStG erfüllt. Maßgeblich ist also die konkrete Einbindung in eine begünstigte Einrichtung.

Was gilt für die Kleinunternehmerregelung bei Fahrlehrern?

Die Kleinunternehmerregelung kann auch für Fahrlehrer gelten. Voraussetzung ist, dass der Gesamtumsatz im vorangegangenen Kalenderjahr 25.000 Euro nicht überschritten hat und im laufenden Kalenderjahr 100.000 Euro nicht überschreitet.

Was passiert bei gemischten Tätigkeiten eines Fahrlehrers?

Soweit Unterricht und gewerbliche Nebenleistungen trennbar sind, sind auch die Einkünfte getrennt zu erfassen. Das ist besonders wichtig, wenn neben dem Unterricht noch andere Leistungen selbständig und nachhaltig angeboten werden.

Quellen

Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.