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Was ist die Differenzbesteuerung?

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 17. Februar 2026
Lesedauer: 6 Minuten

Alles auf einen Blick

  • Die Differenzbesteuerung ist ein besonderer Besteuerungsmechanismus für bestimmte Lieferungen beweglicher körperlicher Gegenstände durch Wiederverkäufer, § 25a Abs. 1 UStG.
  • Wiederverkäufer ist, wer gewerbsmäßig mit beweglichen körperlichen Gegenständen handelt oder solche Gegenstände im eigenen Namen öffentlich versteigert, § 25a Abs. 1 Nr. 1 UStG.
  • Die Bemessungsgrundlage ergibt sich nach § 25a Abs. 3 UStG aus der Differenz zwischen Verkaufs- und Einkaufspreis; bei Bruttowerten ist der in der Differenz enthaltene Umsatzsteueranteil herauszurechnen, weil die Umsatzsteuer nicht zur Bemessungsgrundlage gehört, § 25a Abs. 3 Satz 3 UStG.
  • Eine Gesamtdifferenzbesteuerung ist in der seit 1. Januar 2025 geltenden Rechtslage nur bei Gegenständen zulässig, deren Einkaufspreis 750 Euro nicht übersteigt, § 25a Abs. 4 Satz 2 UStG.
  • Der Wiederverkäufer kann bei einzelnen Lieferungen auf die Differenzbesteuerung verzichten, soweit § 25a Abs. 4 UStG nicht angewendet wird, § 25a Abs. 8 UStG.

Differenzbesteuerung Definition

Die Differenzbesteuerung ist eine Sonderregel des Umsatzsteuerrechts für Wiederverkäufer. Dabei wird die Steuer nicht nach dem vollen Verkaufspreis, sondern grundsätzlich nach der Marge zwischen Verkaufs- und Einkaufspreis berechnet, § 25a Abs. 3 UStG.

Wie wird die Differenzbesteuerung berücksichtigt?

Die Regelung dient der besonderen Besteuerung bestimmter Wiederverkaufsfälle. Sie setzt gesetzlich definierte Eingangsvoraussetzungen voraus und enthält eigene Vorschriften zur Bemessungsgrundlage, zu Aufzeichnungen und zu Ausnahmen.

Struktur des § 25a UStG

RegelungsebeneKerninhalt
Abs. 1Voraussetzungen und Wiederverkäuferbegriff
Abs. 3Bemessung nach Marge
Abs. 4Gesamtdifferenz bei Einkaufspreis bis 750 Euro
Abs. 6besondere Aufzeichnungspflichten
Abs. 7 und 8Ausschlüsse und Verzichtsmöglichkeiten

Ergebnis: Die Differenzbesteuerung ist ein eigenständiges, eng geregeltes Besteuerungssystem innerhalb des UStG.

Praktische Beispiele

Beispiel 1: Einzelmarge bei einem Wiederverkaufsgegenstand

Ein Wiederverkäufer kauft einen Gegenstand für 1.000 Euro und verkauft ihn für 1.300 Euro.

RechenschrittBetrag
Verkaufspreis (brutto)1.300 Euro
− Einkaufspreis (brutto)1.000 Euro
= Differenz (brutto)300 Euro
− enthaltene Umsatzsteuer (19/119)47,90 Euro
Bemessungsgrundlage (netto)252,10 Euro

Ergebnis: Bei Bruttopreisen ist aus der Differenz zunächst der enthaltene Umsatzsteueranteil herauszurechnen; die verbleibende Nettodifferenz ist die Bemessungsgrundlage, § 25a Abs. 3 Satz 3 UStG.

Beispiel 2: Gesamtdifferenz im Besteuerungszeitraum

Ein Wiederverkäufer nutzt die Gesamtdifferenzmethode für Gegenstände mit Einkaufspreis bis 750 Euro.

RechenschrittBetrag
Summe Verkaufspreise im Zeitraum6.000 Euro
− Summe Einkaufspreise im Zeitraum4.700 Euro
= Gesamtdifferenz (brutto)1.300 Euro
− enthaltener Umsatzsteueranteil (19/119)207,56 Euro
Bemessungsgrundlage (netto)1.092,44 Euro

Ergebnis: Die Gesamtdifferenzbesteuerung ist in der seit 1. Januar 2025 geltenden Rechtslage nur für Gegenstände mit Einkaufspreis bis 750 Euro zulässig; die Bemessungsgrundlage ist auch hier um den enthaltenen Umsatzsteueranteil zu bereinigen, § 25a Abs. 3 und 4 UStG.

Beispiel 3: Verzicht auf Differenzbesteuerung im Einzelfall

Der Wiederverkäufer entscheidet sich bei einer Lieferung gegen die Differenzbesteuerung.

PrüfschrittFolge
Verzichtserklärung für die konkrete Lieferungmöglich nach § 25a Abs. 8 UStG
Keine Anwendung der Gesamtdifferenz auf diesen FallVoraussetzung für Verzichtsoption
Lieferung wird nach allgemeinen Vorschriften behandeltreguläre Umsatzbesteuerung
Praktische Wirkungflexible Fallsteuerung im gesetzlichen Rahmen

Ergebnis: Der Verzicht ermöglicht eine einzelfallbezogene Wahl, bleibt aber an die gesetzlichen Grenzen des § 25a UStG gebunden.

Ausnahmen und Besonderheiten

Ausschlüsse nach § 25a Abs. 7 UStG

Die Differenzbesteuerung ist in mehreren gesetzlich benannten Fallgruppen ausgeschlossen, etwa bei bestimmten innergemeinschaftlichen Konstellationen.

Besonderheiten bei Kunstgegenständen

§ 25a Abs. 2 und 3 UStG enthält für bestimmte Kunstgegenstände gesonderte Regelungen, unter anderem zur Ermittlung der Bemessungsgrundlage.

Vorsteuerabzug ist gesetzlich begrenzt

Nach § 25a Abs. 5 Satz 3 UStG ist der Wiederverkäufer in den Fällen des § 25a Abs. 2 UStG nicht berechtigt, die dort genannten Steuerbeträge als Vorsteuer abzuziehen.

Aufzeichnungspflichten sind erweitert

Neben § 22 UStG verlangt § 25a Abs. 6 UStG gesonderte Aufzeichnungen zu Verkaufs- und Einkaufspreisen sowie Bemessungsgrundlagen.

Vorteile

  • margenbezogene Besteuerung: Die Steuer orientiert sich an der Wertschöpfung des Wiederverkäufers.

  • systematische Sonderregelung: § 25a UStG bietet einen klaren rechtlichen Rahmen für typische Wiederverkaufsfälle.

  • periodenbezogene Option: Die Gesamtdifferenz erleichtert in geeigneten Fällen die periodische Ermittlung.

  • gesetzliche Flexibilität: Einzelfallverzicht nach § 25a Abs. 8 UStG ermöglicht steuerliche Anpassung innerhalb des Gesetzes.

  • europarechtlich eingebettete Logik: Die Norm ist Teil des harmonisierten Umsatzsteuersystems für Gebrauchtwarenfälle.

Nachteile

  • hohe Tatbestandsdichte: Die Anwendung verlangt eine detaillierte Prüfung mehrerer Absätze desselben Tatbestands.

  • umfangreiche Dokumentation: Fehlerhafte Aufzeichnungen führen schnell zu steuerlichen Risiken.

  • begrenzte Anwendbarkeit: Nicht jeder Gegenstand und nicht jeder Erwerbsvorgang fällt unter § 25a UStG.

  • eingeschränkter Vorsteuerabzug: In bestimmten Konstellationen bestehen gesetzliche Abzugsverbote.

  • abgrenzungsintensive Praxisfälle: Grenzfälle zwischen Sonder- und Regelbesteuerung sind häufig prüfungsbedürftig.

HINWEIS DER REDAKTION
Unser Steuerlexikon basiert auf dem jeweils aktuellen Stand von Rechtsprechung und Gesetzgebung zum Zeitpunkt der Erstellung. Da sich steuerliche Regelungen dynamisch entwickeln, können spätere Anpassungen erforderlich sein. Wir verfolgen Änderungen kontinuierlich und aktualisieren die Inhalte regelmäßig. Dieses Lexikon ersetzt keine individuelle Steuerberatung. Bitte konsultieren Sie in spezifischen Fällen einen Steuerberater.


Fazit

Die Differenzbesteuerung nach § 25a UStG ist ein spezialisiertes Besteuerungsmodell für Wiederverkäufer. Ihr Kern ist die Margenbesteuerung statt einer Besteuerung des vollen Verkaufspreises. Für die rechtssichere Anwendung sind insbesondere die Voraussetzungen des Abs. 1, die Bemessungsregeln der Abs. 3 und 4 sowie die Dokumentationspflichten des Abs. 6 maßgeblich. In der Praxis entscheidet die sorgfältige Fallabgrenzung darüber, ob die Sonderregel Vorteile bringt und rechtssicher umgesetzt werden kann.

Häufige Fragen (FAQ)

Wer gilt als Wiederverkäufer im Sinne der Differenzbesteuerung?

Wiederverkäufer ist nach § 25a Abs. 1 Nr. 1 UStG, wer gewerbsmäßig mit beweglichen körperlichen Gegenständen handelt oder solche Gegenstände im eigenen Namen öffentlich versteigert.

Wie wird die Bemessungsgrundlage bei der Differenzbesteuerung ermittelt?

Aus der Differenz zwischen Verkaufs- und Einkaufspreis, § 25a Abs. 3 UStG. Bei Bruttowerten ist der enthaltene Umsatzsteueranteil aus der Differenz herauszurechnen, weil die Umsatzsteuer nicht zur Bemessungsgrundlage gehört, § 25a Abs. 3 Satz 3 UStG.

Wann ist die Gesamtdifferenzbesteuerung möglich?

Wenn die Voraussetzungen des § 25a Abs. 4 UStG erfüllt sind. In der seit 1. Januar 2025 geltenden Rechtslage ist sie nur für Gegenstände zulässig, deren Einkaufspreis 750 Euro nicht übersteigt.

Kann der Wiederverkäufer auf die Differenzbesteuerung verzichten?

Ja, bei jeder Lieferung, soweit die Voraussetzungen des § 25a Abs. 8 UStG vorliegen und die Gesamtdifferenzmethode nicht angewendet wird.

Gibt es Ausschlussfälle bei der Differenzbesteuerung?

Ja. § 25a Abs. 7 UStG nennt ausdrücklich Fallgruppen, in denen die Differenzbesteuerung keine Anwendung findet.

Welche Aufzeichnungen sind zusätzlich erforderlich?

Nach § 25a Abs. 6 UStG müssen insbesondere Verkaufs- und Einkaufspreise sowie die jeweiligen Bemessungsgrundlagen nachvollziehbar dokumentiert werden.

Quellen

Bundesministerium der Justiz. "§ 25a UStG – Differenzbesteuerung." https://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__25a.html Zugriff am 17. Februar 2026.

Bundesgesetzblatt. "Viertes Bürokratieentlastungsgesetz (BEG IV)." BGBl. 2024 I Nr. 323, maßgebliche Änderung u. a. zu § 25a Abs. 4 UStG, Zugriff am 17. Februar 2026.

Bundesministerium der Justiz. "§ 12 UStG – Steuersätze." https://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__12.html Zugriff am 17. Februar 2026.

Bundesministerium der Justiz. "§ 15 UStG – Vorsteuerabzug." https://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__15.html Zugriff am 17. Februar 2026.

Bundesministerium der Justiz. "Umsatzsteuergesetz (UStG)." https://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/ Zugriff am 17. Februar 2026.

Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.