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Was sind Anzahlungen?

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 31. März 2026
Lesedauer: 6 Minuten

Alles auf einen Blick

  • Steuerentstehung bei Vorauszahlung: Wird Entgelt oder Teilentgelt vor Leistungsausführung vereinnahmt, entsteht die Steuer insoweit mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums der Vereinnahmung (§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Satz 4 UStG).
  • Rechnungsregeln bei Anzahlungen: Für vor Ausführung vereinnahmte Entgelte gelten die Rechnungsvorschriften der Absätze 1 bis 4 sinngemäß (§ 14 Abs. 5 Satz 1 UStG).
  • Endrechnung: Vereinnahmte Teilentgelte und darauf entfallende Steuerbeträge sind abzusetzen, wenn über die Teilentgelte Rechnungen im Sinne des § 14 Abs. 4 UStG ausgestellt wurden (§ 14 Abs. 5 Satz 2 UStG).
  • Berichtigung bei Nichtausführung: Wird eine vereinbarte Leistung trotz Entgeltzahlung nicht ausgeführt, gilt § 17 Abs. 1 nach § 17 Abs. 2 Nr. 2 UStG sinngemäß.
  • Voranmeldung: Für Anzahlungen ist die periodengerechte Zuordnung in der Voranmeldung zentral.

Anzahlungen Definition

Anzahlungen sind umsatzsteuerlich vor Ausführung einer Lieferung oder sonstigen Leistung vereinnahmte Entgelte oder Teilentgelte. Bei der Sollbesteuerung entsteht die Steuer insoweit mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums der Vereinnahmung (§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Satz 4 UStG).

Wie wird Anzahlungen steuerlich berücksichtigt?

Die steuerliche Berücksichtigung erfolgt periodengerecht: Vereinnahmte Anzahlungen werden im Zeitpunkt der Vereinnahmung umsatzsteuerlich erfasst, während in der Endrechnung bereits erklärte Teilentgelte und Steueranteile abgesetzt werden (§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Satz 4 UStG; § 14 Abs. 5 Satz 2 UStG).

Gesetzliche Einordnung von Anzahlungen

RegelungsbereichMaßgebliche NormKernaussage
Steuerentstehung bei Vorauszahlung§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Satz 4 UStGWird Entgelt oder Teilentgelt vor Leistungsausführung vereinnahmt, entsteht die Steuer insoweit mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums der Vereinnahmung.
Rechnungsregime bei Anzahlungen§ 14 Abs. 5 Satz 1 UStGFür vereinnahmte Entgelte vor Ausführung gelten die Absätze 1 bis 4 sinngemäß.
Endrechnung§ 14 Abs. 5 Satz 2 UStGIn der Endrechnung sind vereinnahmte Teilentgelte und die darauf entfallenden Steuerbeträge abzusetzen, wenn über die Teilentgelte Rechnungen im Sinne des § 14 Abs. 4 UStG ausgestellt wurden.
Berichtigung bei Nichtausführung§ 17 Abs. 2 Nr. 2 UStGWird eine vereinbarte Leistung trotz Entgeltzahlung nicht ausgeführt, gilt Absatz 1 sinngemäß.
Verfahrensumsetzung in der Voranmeldung§ 18 Abs. 1 Satz 1 UStGIn der Voranmeldung ist die Steuer für den Voranmeldungszeitraum selbst zu berechnen.

Ergebnis: Anzahlungen führen zu einer vorgezogenen Steuerentstehung und erfordern eine konsistente Endabrechnung sowie gegebenenfalls Berichtigungen.

Praktische Beispiele

Beispiel 1: Vereinnahmte Anzahlung vor Leistungsausführung

PrüfschrittSteuerliche Folge
Teilentgelt wird vor Leistungsausführung vereinnahmt (§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Satz 4 UStG)Die Umsatzsteuer entsteht insoweit bereits im Vereinnahmungszeitraum.
Anzahlungsrechnung wird ausgestellt (§ 14 Abs. 5 Satz 1 UStG)Die Rechnungsvorschriften der Absätze 1 bis 4 UStG gelten sinngemäß.

Ergebnis: Die Anzahlung ist in der laufenden Voranmeldung zu erfassen.

Beispiel 2: Endrechnung nach Leistungsausführung

PrüfschrittSteuerliche Folge
Endrechnung wird erstellt (§ 14 Abs. 5 Satz 2 UStG)Vorab vereinnahmte Teilentgelte und Steuerbeträge werden in der Endrechnung abgesetzt, sofern die Rechnungsbedingung erfüllt ist.
Voranmeldungslogik bleibt konsistent (§ 18 Abs. 1 Satz 1 UStG)Doppelansätze werden vermieden, weil Anzahlungs- und Endabrechnung systematisch verknüpft sind.

Ergebnis: Die Endrechnung bildet nur den offenen Rest aus der Gesamtleistung ab.

Beispiel 3: Leistung fällt aus

PrüfschrittSteuerliche Folge
Entgelt wurde bereits vereinnahmt, Leistung jedoch nicht ausgeführt (§ 17 Abs. 2 Nr. 2 UStG)Die Berichtigungslogik des § 17 Abs. 1 UStG ist sinngemäß anzuwenden.
Berichtigung im Änderungszeitraum (§ 17 Abs. 1 Satz 8 UStG)Steuer und Bemessungsgrundlage sind in dem Zeitraum zu korrigieren, in dem die Änderung eingetreten ist.

Ergebnis: Bereits erklärte Steuer auf die ausgefallene Leistung wird periodengerecht berichtigt.

Ausnahmen und Besonderheiten

Abgrenzung zur Teilleistung

Teilleistung und Anzahlung sind getrennte Tatbestände: Teilleistungen setzen eine wirtschaftlich teilbare Leistung mit gesonderter Entgeltvereinbarung voraus (§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Sätze 2 und 3 UStG); Anzahlungen erfassen die vor Ausführung vereinnahmten Entgelte oder Teilentgelte (§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Satz 4 UStG).

Rechnungsbedingung in der Endrechnung

Die Absetzung vereinnahmter Teilentgelte in der Endrechnung nach § 14 Abs. 5 Satz 2 UStG steht unter der Bedingung, dass über die Teilentgelte Rechnungen im Sinne des § 14 Abs. 4 UStG ausgestellt wurden.

Berichtigung bei Leistungsstörungen

Wird die vereinbarte Leistung nicht ausgeführt, ist die Berichtigung kein Wahlrecht, sondern folgt aus § 17 Abs. 2 Nr. 2 UStG in Verbindung mit § 17 Abs. 1 UStG.

Vorteile

  • Klare Steuerentstehungslogik: Der Zeitpunkt der Steuerentstehung bei vereinnahmten Teilentgelten ist gesetzlich eindeutig geregelt.

  • Saubere Endrechnungsmechanik: Der Absetzungsmechanismus des § 14 Abs. 5 Satz 2 UStG verhindert systematische Doppelansätze.

  • Verfahrenssicherheit in der Voranmeldung: Die Selbstberechnungspflicht in § 18 Abs. 1 Satz 1 UStG gibt einen festen Periodenbezug vor.

  • Normklarer Berichtigungsweg: § 17 Abs. 2 Nr. 2 UStG schafft einen klaren Korrekturpfad bei nicht ausgeführten Leistungen.

  • Hohe Prüfungsfestigkeit: Durchgängige Normbezüge erleichtern die Nachvollziehbarkeit in Außenprüfungen.

Nachteile

  • Erhöhter Abstimmungsaufwand: Anzahlungs- und Endrechnung müssen technisch und inhaltlich exakt konsistent sein.

  • Liquiditätsbelastung: Die Umsatzsteuer kann bereits vor vollständiger Leistungsausführung entstehen.

  • Fehleranfälligkeit bei Störungen: Unterlassene Berichtigungen nach § 17 UStG führen zu materiellen Fehlern.

  • Dokumentationsdruck: Zahlungszeitpunkte, Leistungsstand und Rechnungsbezug müssen eindeutig belegbar sein.

  • Komplexität bei mehreren Teilentgelten: Mit jeder weiteren Anzahlung steigt der buchhalterische und verfahrensrechtliche Aufwand.

HINWEIS DER REDAKTION
Unser Steuerlexikon basiert auf dem jeweils aktuellen Stand von Rechtsprechung und Gesetzgebung zum Zeitpunkt der Erstellung. Da sich steuerliche Regelungen dynamisch entwickeln, können spätere Anpassungen erforderlich sein. Wir verfolgen Änderungen kontinuierlich und aktualisieren die Inhalte regelmäßig. Dieses Lexikon ersetzt keine individuelle Steuerberatung. Bitte konsultieren Sie in spezifischen Fällen einen Steuerberater.


Fazit

Anzahlungen sind im Umsatzsteuerrecht ein eigenständiger Auslöser für die Steuerentstehung. Entscheidend sind die periodengerechte Erfassung bei Vereinnahmung (§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Satz 4 UStG), die bedingungsgerechte Endabrechnung (§ 14 Abs. 5 Satz 2 UStG) und die konsequente Berichtigung bei Leistungsausfall (§ 17 Abs. 2 Nr. 2 UStG).

Häufige Fragen (FAQ)

Wann entsteht die Umsatzsteuer auf Anzahlungen?

Wenn Entgelt oder Teilentgelt vor Ausführung der Leistung vereinnahmt wird, entsteht die Steuer insoweit mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums der Vereinnahmung (§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Satz 4 UStG).

Was muss in der Endrechnung bei Anzahlungen beachtet werden?

Vereinnahmte Teilentgelte und Steuerbeträge sind nach § 14 Abs. 5 Satz 2 UStG abzusetzen, wenn über die Teilentgelte Rechnungen im Sinne des § 14 Abs. 4 UStG ausgestellt wurden.

Was gilt, wenn die Leistung nicht ausgeführt wird?

In diesen Fällen gilt § 17 Abs. 1 nach § 17 Abs. 2 Nr. 2 UStG sinngemäß, sodass die bereits erklärte Steuer zu berichtigen ist.

Warum ist die Voranmeldung hier besonders wichtig?

Die Steuer ist für jeden Voranmeldungszeitraum selbst zu berechnen (§ 18 Abs. 1 Satz 1 UStG), daher müssen Anzahlungen periodengerecht erklärt werden.

Sind Teilleistung und Anzahlung identisch?

Nein. Teilleistungen sind in § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Sätze 2 und 3 UStG geregelt; Anzahlungen in § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Satz 4 UStG.

Quellen

Bundesministerium der Justiz beziehungsweise herausgebende Behörde. "§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a UStG – Entstehung der Steuer." https://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__13.html Zugriff am 25. Februar 2026.

Bundesministerium der Justiz beziehungsweise herausgebende Behörde. "§ 14 Abs. 5 UStG – Ausstellung von Rechnungen." https://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__14.html Zugriff am 25. Februar 2026.

Bundesministerium der Justiz beziehungsweise herausgebende Behörde. "§ 17 Abs. 1 und 2 UStG – Änderung der Bemessungsgrundlage." https://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__17.html Zugriff am 25. Februar 2026.

Bundesministerium der Justiz beziehungsweise herausgebende Behörde. "§ 18 Abs. 1 UStG – Besteuerungsverfahren." https://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__18.html Zugriff am 25. Februar 2026.

Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.