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Was ist ein Amtsträger?

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 17. Februar 2026
Lesedauer: 6 Minuten

Alles auf einen Blick

  • Amtsträger ist, wer nach deutschem Recht Beamter oder Richter ist, in einem sonstigen öffentlich-rechtlichen Amtsverhältnis steht oder zur Wahrnehmung öffentlicher Verwaltungsaufgaben bestellt ist, § 11 Abs. 1 Nr. 2 StGB.
  • Im Steuerrecht sind Amtsträger zur Wahrung des Steuergeheimnisses verpflichtet, § 30 Abs. 1 AO.
  • Eine Verletzung des Steuergeheimnisses liegt insbesondere vor, wenn geschützte Daten unbefugt offenbart oder verwertet werden, § 30 Abs. 2 AO.
  • Die unbefugte Offenbarung oder Verwertung steuerlich geschützter Daten kann strafbar sein und mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe geahndet werden, § 355 Abs. 1 StGB.
  • Den Amtsträgern stehen im Steuergeheimnisrecht bestimmte weitere Personengruppen gleich, etwa für den öffentlichen Dienst besonders Verpflichtete oder amtlich zugezogene Sachverständige, § 30 Abs. 3 AO.

Amtsträger Definition

Ein Amtsträger ist im strafrechtlichen Sinn eine Person, die nach deutschem Recht öffentlich-rechtliche Amtsfunktionen ausübt oder mit Verwaltungsaufgaben betraut ist, § 11 Abs. 1 Nr. 2 StGB. Im Steuerverfahren ist der Amtsträger zusätzlich an die Pflicht zur Wahrung des Steuergeheimnisses gebunden, § 30 Abs. 1 AO.

Wie wird der Amtsträger berücksichtigt?

Der Begriff steuert im Steuerrecht, wer sensible steuerliche Informationen rechtmäßig verarbeiten darf und wer bei Verstößen rechtlich verantwortlich ist. Maßgeblich ist die Verknüpfung aus strafrechtlicher Rollenbestimmung (§ 11 StGB) und steuerverfahrensrechtlicher Geheimnispflicht (§ 30 AO).

Kernpflichten und Rechtsfolgen

BereichRechtsfolge
Stellung als AmtsträgerEinordnung nach § 11 Abs. 1 Nr. 2 StGB
Umgang mit SteuerdatenPflicht zur Wahrung des Steuergeheimnisses
Unbefugtes Offenbaren oder VerwertenVerletzung des Steuergeheimnisses
Strafrechtliche Sanktion bei VerstoßFreiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe

Ergebnis: Die Amtsträgereigenschaft bestimmt sowohl den Pflichtenkreis als auch das persönliche Haftungs- und Sanktionsrisiko im Steuergeheimnisrecht.

Praktische Beispiele

Beispiel 1: Zulässige Datenweitergabe im Verfahren

Eine Finanzbeamtin übermittelt steuerliche Daten an eine zuständige Stelle, weil dies zur Durchführung eines steuerlichen Verfahrens erforderlich ist.

PrüfschrittBewertung
Beteiligte Person ist Amtsträgerinja
Offenbarung dient einem zulässigen Verfahrenszweckja
Verstoß gegen § 30 AOnein
Rechtsfolgezulässige Verfahrenshandlung

Ergebnis: Eine Offenbarung ist nicht schon deshalb unzulässig, weil Daten weitergegeben werden; entscheidend sind die gesetzlichen Erlaubnistatbestände, § 30 Abs. 4 AO.

Beispiel 2: Unbefugte Weitergabe an außenstehende Dritte

Ein Amtsträger gibt steuerliche Informationen ohne gesetzlichen Grund an eine außenstehende Person weiter.

PrüfschrittBewertung
Offenbarung geschützter Datenja
Gesetzliche Erlaubnis nach § 30 Abs. 4 AOnein
Verletzung des Steuergeheimnissesja
Mögliche strafrechtliche Folge§ 355 Abs. 1 StGB

Ergebnis: Die unbefugte Offenbarung geschützter Steuerdaten verletzt § 30 AO und kann strafrechtlich relevant sein.

Beispiel 3: Unbefugter Datenabruf im automatisierten Verfahren

Ein Amtsträger ruft ohne Berechtigung geschützte Steuerdaten in einem automationsgestützten Dateisystem ab und verwendet die Information anschließend außerhalb zulässiger Zwecke.

PrüfschrittBewertung
Unbefugter Abruf geschützter Datenerfasst von § 30 Abs. 2 Nr. 3 AO
Zulässiger Verwendungszweckfehlt
Risiko einer strafrechtlichen Verantwortlichkeiterhöht
Rechtsfolge im AusgangspunktVerstoß gegen Steuergeheimnis

Ergebnis: Bereits der unbefugte Abruf verletzt die steuergeheimnisrechtliche Pflicht; bei unbefugter Offenbarung oder Verwertung kommen strafrechtliche Folgen hinzu.

Ausnahmen und Besonderheiten

Gleichgestellte Personengruppen

Den Amtsträgern sind im Steuergeheimnisrecht weitere Personen gleichgestellt, darunter besonders Verpflichtete, amtlich zugezogene Sachverständige und bestimmte kirchliche Amtsträger, § 30 Abs. 3 AO.

Erlaubte Offenbarungen trotz Geheimnisschutz

Die Offenbarung oder Verwertung geschützter Daten ist nur in den gesetzlich genannten Fällen zulässig, insbesondere zur Durchführung steuerlicher Verfahren oder bei ausdrücklicher gesetzlicher Zulassung, § 30 Abs. 4 AO.

Strafverfolgung nur auf Antrag

Die Tat nach § 355 StGB wird grundsätzlich nur auf Antrag verfolgt. Antragsberechtigt sind je nach Fall der Dienstvorgesetzte oder der Verletzte, § 355 Abs. 3 StGB.

Verhältnis von AO und StGB

Die AO regelt die verwaltungsrechtliche Geheimnispflicht, das StGB die strafrechtliche Sanktion. Beide Normkomplexe wirken im Steuergeheimnisschutz zusammen.

Vorteile

  • klare Rollenabgrenzung: Die gesetzliche Definition schafft eindeutige Verantwortlichkeiten bei hoheitlicher Aufgabenwahrnehmung.

  • starker Geheimnisschutz: Steuerdaten sind durch eine ausdrückliche gesetzliche Schweigepflicht abgesichert.

  • rechtlich strukturierte Ausnahmen: Zulässige Offenbarungen sind normklar geregelt und damit überprüfbar.

  • sanktionsgestützte Compliance: Strafandrohungen erhöhen die Verbindlichkeit datenschutzgerechten Verhaltens.

  • einheitlicher Schutzmaßstab: Gleichgestellte Personen unterliegen im Kern denselben Vertraulichkeitsanforderungen.

Nachteile

  • hohe persönliche Verantwortung: Amtsträger tragen ein erhebliches individuelles Haftungs- und Sanktionsrisiko bei Fehlern.

  • komplexe Abgrenzungsfragen: Die Prüfung, ob ein Offenbarungstatbestand zulässig ist, kann rechtlich anspruchsvoll sein.

  • verfahrensrechtlicher Mehraufwand: Strenge Geheimnisregeln erfordern zusätzliche organisatorische und technische Sicherungsmaßnahmen.

  • eingeschränkte Informationsweitergabe: Auch sachlich naheliegende Weitergaben sind ohne gesetzliche Grundlage unzulässig.

  • strafrechtliche Eskalationsgefahr: Fehlverhalten kann neben dienstrechtlichen Folgen auch strafrechtliche Verfahren auslösen.

HINWEIS DER REDAKTION
Unser Steuerlexikon basiert auf dem jeweils aktuellen Stand von Rechtsprechung und Gesetzgebung zum Zeitpunkt der Erstellung. Da sich steuerliche Regelungen dynamisch entwickeln, können spätere Anpassungen erforderlich sein. Wir verfolgen Änderungen kontinuierlich und aktualisieren die Inhalte regelmäßig. Dieses Lexikon ersetzt keine individuelle Steuerberatung. Bitte konsultieren Sie in spezifischen Fällen einen Steuerberater.


Fazit

Der Amtsträgerbegriff ist für das Steuerverfahrensrecht zentral, weil er festlegt, wer steuerlich geschützte Informationen rechtmäßig handhaben darf und wer bei Verstößen verantwortlich ist. Die Kombination aus § 11 StGB, § 30 AO und § 355 StGB schafft einen geschlossenen Rechtsrahmen: klare Begriffszuordnung, strikte Geheimnispflicht, eng definierte Ausnahmen und strafrechtliche Sanktionierung bei unbefugter Offenbarung oder Verwertung. Für die Praxis bedeutet das vor allem sorgfältige Verfahrensdisziplin und eine dokumentierte Prüfung, ob eine Datenweitergabe tatsächlich gesetzlich erlaubt ist.

Häufige Fragen (FAQ)

Wer gilt rechtlich als Amtsträger?

Amtsträger ist, wer nach deutschem Recht Beamter oder Richter ist, in einem sonstigen öffentlich-rechtlichen Amtsverhältnis steht oder zur Wahrnehmung öffentlicher Verwaltungsaufgaben bestellt ist, § 11 Abs. 1 Nr. 2 StGB.

Welche Hauptpflicht hat ein Amtsträger im Steuerverfahren?

Amtsträger haben das Steuergeheimnis zu wahren, § 30 Abs. 1 AO. Geschützte Daten dürfen nur in den gesetzlich zugelassenen Fällen offenbart oder verwertet werden.

Wann liegt eine Verletzung des Steuergeheimnisses vor?

Eine Verletzung liegt insbesondere bei unbefugter Offenbarung oder Verwertung geschützter Daten vor. Auch der unbefugte Abruf in automatisierten Systemen ist als Pflichtverstoß erfasst, § 30 Abs. 2 AO.

Welche Strafe droht bei unbefugter Offenbarung von Steuerdaten?

Die unbefugte Offenbarung oder Verwertung kann nach § 355 Abs. 1 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe geahndet werden.

Sind nur klassische Beamte vom Steuergeheimnis erfasst?

Neben Amtsträgern werden weitere Personen gleichgestellt, etwa besonders Verpflichtete oder amtlich zugezogene Sachverständige, § 30 Abs. 3 AO und § 355 Abs. 2 StGB.

Wird ein Verstoß gegen § 355 StGB immer von Amts wegen verfolgt?

Die Strafverfolgung erfolgt grundsätzlich nur auf Antrag. Antragsberechtigt sind je nach Konstellation der Dienstvorgesetzte oder der Verletzte, § 355 Abs. 3 StGB.

Quellen

Bundesministerium der Justiz. "§ 11 StGB – Personen- und Sachbegriffe." https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__11.html Zugriff am 16. Februar 2026.

Bundesministerium der Justiz. "§ 30 AO – Steuergeheimnis." https://www.gesetze-im-internet.de/ao_1977/__30.html Zugriff am 16. Februar 2026.

Bundesministerium der Justiz. "§ 355 StGB – Verletzung des Steuergeheimnisses." https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__355.html Zugriff am 16. Februar 2026.

Bundesministerium der Justiz. "§ 29c AO – Verarbeitung personenbezogener Daten durch Finanzbehörden." https://www.gesetze-im-internet.de/ao_1977/__29c.html Zugriff am 16. Februar 2026.

Bundesministerium der Justiz. "Abgabenordnung (AO)." https://www.gesetze-im-internet.de/ao_1977/ Zugriff am 16. Februar 2026.

Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.