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Was ist das Umlageverfahren?

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 31. März 2026
Lesedauer: 6 Minuten

Alles auf einen Blick

  • Das Umlageverfahren ist das gesetzliche Finanzierungsprinzip der gesetzlichen Rentenversicherung.
  • Die Ausgaben eines Kalenderjahres werden aus den Einnahmen desselben Jahres gedeckt; soweit erforderlich, kommt die Nachhaltigkeitsrücklage hinzu.
  • Aktuelle Beiträge und Bundeszuschüsse finanzieren die laufenden Rentenzahlungen und sonstigen Ausgaben.
  • Die eingehenden Beiträge werden nicht für die einzelne Person angespart, sondern unmittelbar verwendet.
  • Der Beitragssatz beträgt 2026 in der allgemeinen Rentenversicherung weiterhin 18,6 Prozent; bei Beschäftigten tragen Versicherte und Arbeitgeber die Beiträge grundsätzlich je zur Hälfte.

Umlageverfahren Definition

Das Umlageverfahren ist das gesetzliche Finanzierungsprinzip der gesetzlichen Rentenversicherung. Nach § 153 Abs. 1 SGB VI werden die Ausgaben eines Kalenderjahres durch die Einnahmen desselben Jahres und, soweit erforderlich, durch Entnahmen aus der Nachhaltigkeitsrücklage gedeckt.

Wie wird das Umlageverfahren berücksichtigt?

Das Umlageverfahren wirkt in der gesetzlichen Rentenversicherung fortlaufend. Beiträge fließen nicht auf ein persönliches Sparkonto, sondern in die Finanzierung der aktuellen Renten und sonstigen Ausgaben. Nach § 213 Abs. 1 SGB VI leistet der Bund außerdem Zuschüsse zu den Ausgaben der allgemeinen Rentenversicherung.

Für Versicherte bedeutet das: Mit ihren Beiträgen finanzieren sie die laufenden Leistungen des Systems und erwerben zugleich den Anspruch auf eine spätere Rente. Diese spätere Rente wird dann wiederum von der nachkommenden Generation mitfinanziert.

Für 2026 beträgt der Beitragssatz in der allgemeinen Rentenversicherung weiterhin 18,6 Prozent. Bei Personen, die gegen Arbeitsentgelt beschäftigt werden, tragen Versicherte und Arbeitgeber die Beiträge nach § 168 Abs. 1 Nr. 1 SGB VI grundsätzlich je zur Hälfte.

Praktische Beispiele

Die folgenden Zahlen sind vereinfachte Rechenbeispiele. Sie zeigen nur, wie das Umlageverfahren technisch funktioniert.

Beispiel 1: Laufende Ausgaben werden vollständig aus Beiträgen und Bundeszuschuss gedeckt

96.000.000,00 € + 4.000.000,00 € − 100.000.000,00 € = 0,00 €.

PositionBetrag
Beitragseinnahmen96.000.000,00 €
Bundeszuschuss4.000.000,00 €
Laufende Ausgaben100.000.000,00 €
Saldo0,00 €

Ergebnis: Die laufenden Ausgaben sind vollständig gedeckt; eine Entnahme aus der Nachhaltigkeitsrücklage ist nicht erforderlich.

Beispiel 2: Ein Teil der Ausgaben wird aus der Nachhaltigkeitsrücklage finanziert

94.000.000,00 € + 4.000.000,00 € + 2.000.000,00 € − 100.000.000,00 € = 0,00 €.

PositionBetrag
Beitragseinnahmen94.000.000,00 €
Bundeszuschuss4.000.000,00 €
Entnahme aus der Nachhaltigkeitsrücklage2.000.000,00 €
Laufende Ausgaben100.000.000,00 €
Saldo0,00 €

Ergebnis: Reichen die laufenden Einnahmen nicht aus, kann die fehlende Summe im Rahmen des § 153 Abs. 1 SGB VI aus der Nachhaltigkeitsrücklage gedeckt werden.

Beispiel 3: Beitrag 2026 bei 4.000,00 € monatlichem Arbeitsentgelt

4.000,00 € × 18,6 % = 744,00 €; 744,00 € ÷ 2 = 372,00 €.

PositionBetrag
Monatliches Arbeitsentgelt4.000,00 €
Beitragssatz 202618,6 %
Arbeitnehmeranteil372,00 €
Arbeitgeberanteil372,00 €
Gesamtbeitrag744,00 €

Ergebnis: Bei einem monatlichen Arbeitsentgelt von 4.000,00 Euro beträgt der Gesamtbeitrag 744,00 Euro; Beschäftigte und Arbeitgeber tragen davon grundsätzlich jeweils 372,00 Euro.

Ausnahmen und Besonderheiten

  • Nachhaltigkeitsrücklage statt reiner Jahresfinanzierung: Der Grundsatz des § 153 Abs. 1 SGB VI lautet Finanzierung aus den Einnahmen desselben Kalenderjahres. Soweit erforderlich, dürfen die Ausgaben aber durch Entnahmen aus der Nachhaltigkeitsrücklage gedeckt werden.
  • Bundeszuschuss als zusätzliche Finanzierungsquelle: Nach § 213 Abs. 1 SGB VI leistet der Bund zu den Ausgaben der allgemeinen Rentenversicherung Zuschüsse. Das Umlageverfahren beruht also nicht allein auf Beiträgen.
  • besonderer Beitragssatz: In der knappschaftlichen Rentenversicherung gilt 2026 mit 24,7 Prozent ein anderer Beitragssatz als in der allgemeinen Rentenversicherung mit 18,6 Prozent.
  • keine individuelle Ansparung: Das Umlageverfahren ist kein persönliches Vorsorgekonto. Die eingehenden Beiträge werden unmittelbar für die laufenden Ausgaben verwendet.

Vorteile

  • unmittelbare Finanzierung: Laufende Einnahmen decken laufende Renten und sonstige Ausgaben desselben Jahres.
  • kollektive Absicherung: Beitragszahlende erwerben durch ihre Beiträge einen Anspruch auf spätere Rentenleistungen.
  • geteilte Beitragslast: Bei Beschäftigten tragen Versicherte und Arbeitgeber den Beitrag grundsätzlich je zur Hälfte.
  • amtliche Beitragssatzklarheit: Der Beitragssatz wird für das jeweilige Jahr amtlich bekannt gemacht; 2026 bleibt es in der allgemeinen Rentenversicherung bei 18,6 Prozent.

Nachteile

  • demografieabhängige Finanzierung: Wenn mehr Menschen Rente beziehen und weniger Menschen Beiträge zahlen, gerät das System stärker unter Druck.
  • begrenzte Kapitalbildung: Eingehende Beiträge werden nicht individuell für spätere Leistungen angespart.
  • zuschussabhängige Mitfinanzierung: Neben Beiträgen sind Bundeszuschüsse Teil der laufenden Finanzierung.
  • pufferabhängige Stabilisierung: Reichen die Einnahmen nicht aus, muss auf die Nachhaltigkeitsrücklage zurückgegriffen werden.
HINWEIS DER REDAKTION
Unser Steuerlexikon basiert auf dem jeweils aktuellen Stand von Rechtsprechung und Gesetzgebung zum Zeitpunkt der Erstellung. Da sich steuerliche Regelungen dynamisch entwickeln, können spätere Anpassungen erforderlich sein. Wir verfolgen Änderungen kontinuierlich und aktualisieren die Inhalte regelmäßig. Dieses Lexikon ersetzt keine individuelle Steuerberatung. Bitte konsultieren Sie in spezifischen Fällen einen Steuerberater.


Fazit

Das Umlageverfahren ist kein privates Sparmodell, sondern das gesetzliche Finanzierungsprinzip der gesetzlichen Rentenversicherung. Beiträge und Bundeszuschüsse finanzieren die laufenden Ausgaben desselben Jahres; nur soweit erforderlich wird die Nachhaltigkeitsrücklage eingesetzt. Für 2026 beträgt der Beitragssatz in der allgemeinen Rentenversicherung weiterhin 18,6 Prozent. Die Stärke des Systems liegt in der unmittelbaren Finanzierung laufender Leistungen, seine Schwäche in der spürbaren Abhängigkeit von der demografischen Entwicklung.

Häufige Fragen (FAQ)

Was bedeutet Umlageverfahren einfach erklärt?

Beim Umlageverfahren finanzieren die aktuellen Beitragszahlerinnen und Beitragszahler zusammen mit Bundeszuschüssen die laufenden Renten und sonstigen Ausgaben. Eigene Beiträge werden dabei nicht für eine bestimmte Person angespart, sondern unmittelbar zur Finanzierung des laufenden Jahres verwendet.

Worin unterscheidet sich das Umlageverfahren vom Kapitaldeckungsverfahren?

Der Unterschied liegt im Finanzierungsweg: Beim Umlageverfahren fließen laufende Einnahmen in laufende Ausgaben. Ein kapitalgedecktes Verfahren baut dagegen einen Kapitalstock auf, dessen Erträge später zur Finanzierung beitragen.

Warum erhält die Rentenversicherung Bundeszuschüsse?

§ 213 Abs. 1 SGB VI ordnet an, dass der Bund zu den Ausgaben der allgemeinen Rentenversicherung Zuschüsse leistet. Der Bundeszuschuss ist damit rechtlich ein Bestandteil der Finanzierung des Systems.

Wie hoch ist der Beitragssatz 2026?

Im Jahr 2026 beträgt der Beitragssatz in der allgemeinen Rentenversicherung weiterhin 18,6 Prozent. In der knappschaftlichen Rentenversicherung beträgt er 24,7 Prozent.

Wer trägt den Rentenversicherungsbeitrag bei Beschäftigten?

Bei Personen, die gegen Arbeitsentgelt beschäftigt werden, tragen Versicherte und Arbeitgeber die Beiträge nach § 168 Abs. 1 Nr. 1 SGB VI grundsätzlich je zur Hälfte.

Wann wird die Nachhaltigkeitsrücklage wichtig?

Die Nachhaltigkeitsrücklage wird relevant, soweit die Einnahmen eines Kalenderjahres die Ausgaben nicht vollständig decken. In diesem Fall dürfen die fehlenden Mittel nach § 153 Abs. 1 SGB VI aus der Rücklage entnommen werden.

Ist das Umlageverfahren eine persönliche Sparanlage?

Eine persönliche Sparanlage ist das Umlageverfahren nicht. Die eingehenden Beiträge werden unmittelbar für die Finanzierung der laufenden Ausgaben verwendet und nicht für künftige Renten angespart.

Quellen

  • Bundesministerium der Finanzen, Glossareintrag „Umlageverfahren“, abgerufen am 30.03.2026. Grundlage für Definition, laufende Finanzierung, Anspruchserwerb und fehlende individuelle Ansparung. (Bundesministerium der Finanzen)
  • gesetze-im-internet.de, § 153 SGB VI „Umlageverfahren“, abgerufen am 30.03.2026. Grundlage für die Finanzierung der Jahresausgaben aus den Einnahmen desselben Kalenderjahres und erforderlichenfalls aus der Nachhaltigkeitsrücklage. (Gesetze im Internet)
  • gesetze-im-internet.de, § 213 SGB VI „Bundeszuschüsse“, abgerufen am 30.03.2026. Grundlage für die Zuschüsse des Bundes zu den Ausgaben der allgemeinen Rentenversicherung. (Gesetze im Internet)
  • gesetze-im-internet.de, § 168 SGB VI, abgerufen am 30.03.2026. Grundlage für die hälftige Tragung der Beiträge bei Beschäftigten gegen Arbeitsentgelt. (Gesetze im Internet)
  • gesetze-im-internet.de, RVBeitrSBek 2026, abgerufen am 30.03.2026. Grundlage für die Beitragssätze 2026 von 18,6 Prozent in der allgemeinen und 24,7 Prozent in der knappschaftlichen Rentenversicherung. (Gesetze im Internet)
  • Bundesministerium der Finanzen, Monatsbericht Januar 2023, Beitrag „Das Generationenkapital: für Gerechtigkeit und solide Staatsfinanzen“, abgerufen am 30.03.2026. Grundlage für die Einordnung des Umlageverfahrens im demografischen Wandel. (Bundesministerium der Finanzen)
  • Bundesministerium der Finanzen, Monatsbericht März 2024, Beitrag „Das Generationenkapital: für eine moderne Rente“, abgerufen am 30.03.2026. Grundlage für die Abgrenzung zur Kapitaldeckung und für die Aussage, dass das Umlageverfahren durch den demografischen Wandel unter Druck gerät. (Bundesministerium der Finanzen)

Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.