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Was ist der Spendenabzug?

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 31. März 2026
Lesedauer: 9 Minuten

Alles auf einen Blick

  • Spenden und bestimmte Mitgliedsbeiträge können als Sonderausgaben abgezogen werden, grundsätzlich bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte oder bis zu 4 Promille der Summe der gesamten Umsätze sowie der im Kalenderjahr aufgewendeten Löhne und Gehälter.
  • Übersteigt die Spende den Höchstbetrag, geht sie nicht verloren, sondern wird in die folgenden Veranlagungszeiträume vorgetragen.
  • Für Spenden bis 300 Euro genügt in den gesetzlich bestimmten Fällen ein vereinfachter Nachweis, zum Beispiel eine Buchungsbestätigung des Kreditinstituts.
  • Spenden in den Vermögensstock einer Stiftung können auf Antrag zusätzlich bis zu 1 Million Euro, bei zusammen veranlagten Ehegatten bis zu 2 Millionen Euro, über den Zuwendungszeitraum und die folgenden neun Veranlagungszeiträume verteilt werden.
  • Bei Parteispenden gilt eine Sonderregel: Zunächst greift eine Steuerermäßigung nach § 34g EStG; darüber hinaus kommt ein Sonderausgabenabzug nach § 10b Abs. 2 EStG in Betracht.

Spendenabzug Definition

Der Spendenabzug ist die steuerliche Berücksichtigung von Spenden und bestimmten Mitgliedsbeiträgen als Sonderausgaben nach § 10b Abs. 1 EStG. Begünstigt sind Zuwendungen an gesetzlich bestimmte Empfänger für steuerbegünstigte Zwecke nach §§ 52 bis 54 AO, soweit die Nachweise nach § 50 EStDV vorliegen.

Wie wird der Spendenabzug berücksichtigt?

Der Spendenabzug setzt voraus, dass die Zuwendung an einen begünstigten Empfänger geleistet wird und einem gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zweck dient. Im Regelfall wird die Spende in der Einkommensteuererklärung als Sonderausgabe erfasst. Sie mindert nicht unmittelbar die festgesetzte Einkommensteuer, sondern zunächst das Einkommen; daraus ergibt sich die steuerliche Entlastung.

Für den Abzug gilt ein gesetzlicher Höchstbetrag. Abziehbar sind Zuwendungen grundsätzlich bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte oder bis zu 4 Promille der Summe der gesamten Umsätze sowie der im Kalenderjahr aufgewendeten Löhne und Gehälter. Höhere Beträge werden als Spendenvortrag in spätere Jahre übernommen.

Der Nachweis erfolgt grundsätzlich durch eine Zuwendungsbestätigung nach amtlich vorgeschriebenem Muster. In bestimmten Fällen reicht bei Spenden bis 300 Euro der Bareinzahlungsbeleg oder die Buchungsbestätigung des Kreditinstituts. Die Unterlagen sind der Finanzbehörde nur auf Verlangen vorzulegen und grundsätzlich bis zum Ablauf eines Jahres nach Bekanntgabe der Steuerfestsetzung aufzubewahren.

Zusätzlich ist ein elektronischer Datenweg möglich. Der Spender kann den Empfänger bevollmächtigen, die Zuwendungsdaten elektronisch an die Finanzverwaltung zu übermitteln. Der Empfänger muss dem Spender die übermittelten Daten elektronisch oder auf Wunsch als Ausdruck zur Verfügung stellen.

Eine wichtige Ausnahme gilt für Parteispenden. Hier mindert § 34g EStG zunächst die tarifliche Einkommensteuer unmittelbar. Nur soweit für Zuwendungen an politische Parteien keine Steuerermäßigung nach § 34g EStG gewährt wurde, kommt daneben ein Sonderausgabenabzug nach § 10b Abs. 2 EStG in Betracht.

Praktische Beispiele

Beispiel 1: Geldspende innerhalb des Höchstbetrags

SchrittRechnungErgebnis
Gesamtbetrag der Einkünfte60.000,00 €
Höchstbetrag nach § 10b Abs. 1 EStG20 % × 60.000,00 €12.000,00 €
Geleistete Spende1.200,00 €
Abziehbarer Betrag 2026Spende innerhalb des Höchstbetrags1.200,00 €

Ergebnis: Die Spende ist im Jahr 2026 vollständig als Sonderausgabe abziehbar.

Beispiel 2: Spende über dem jährlichen Höchstbetrag

SchrittRechnungErgebnis
Gesamtbetrag der Einkünfte30.000,00 €
Höchstbetrag nach § 10b Abs. 1 EStG20 % × 30.000,00 €6.000,00 €
Geleistete Spende8.000,00 €
Im Jahr 2026 abziehbarbis zur Höchstgrenze6.000,00 €
Spendenvortrag8.000,00 € − 6.000,00 €2.000,00 €

Ergebnis: Im Jahr 2026 werden 6.000,00 € berücksichtigt; 2.000,00 € werden in spätere Veranlagungszeiträume vorgetragen.

Beispiel 3: Parteispende bei Einzelveranlagung

SchrittRechnungErgebnis
Geleistete Parteispende4.000,00 €
Für § 34g EStG berücksichtigte Ausgabengesetzlicher Höchstbetrag3.300,00 €
Steuerermäßigung nach § 34g EStG50 % × 3.300,00 €1.650,00 €
Restbetrag für § 10b Abs. 2 EStG4.000,00 € − 3.300,00 €700,00 €
Zusätzlich als Sonderausgaben abziehbarinnerhalb des Höchstbetrags nach § 10b Abs. 2 EStG700,00 €

Ergebnis: Von 4.000,00 € Parteispende wirken 3.300,00 € über § 34g EStG; weitere 700,00 € können zusätzlich als Sonderausgaben berücksichtigt werden.

Ausnahmen und Besonderheiten

  • Mitgliedsbeiträge: Nicht jeder Mitgliedsbeitrag ist abziehbar. Ausgeschlossen sind insbesondere Beiträge an Körperschaften, die den Sport fördern, kulturelle Betätigungen verfolgen, die in erster Linie der Freizeitgestaltung dienen, Heimatpflege und Heimatkunde fördern oder Zwecke im Sinne des § 52 Abs. 2 Satz 1 Nr. 23 AO verfolgen. Beiträge für Kunst und Kultur bleiben dagegen grundsätzlich abziehbar, soweit es sich nicht um kulturelle Freizeitbetätigungen handelt.
  • Vermögensstockspenden an Stiftungen: Spenden in das zu erhaltende Vermögen einer Stiftung können auf Antrag zusätzlich zu den allgemeinen Höchstbeträgen berücksichtigt werden. Nicht begünstigt sind Spenden in das verbrauchbare Vermögen einer Stiftung. Der besondere Abzugsbetrag kann innerhalb des Zehnjahreszeitraums der Höhe nach nur einmal in Anspruch genommen werden.
  • Aufwandsspenden: Ein Verzicht auf Aufwendungsersatz kann nur dann als Spende berücksichtigt werden, wenn der Ersatzanspruch durch Vertrag oder Satzung eingeräumt wurde, auf die Erstattung verzichtet wurde und der Anspruch nicht unter der Bedingung des Verzichts eingeräumt worden ist. Nach der Verwaltungsauffassung muss der Anspruch bereits vor Beginn der zum Aufwand führenden Tätigkeit bestanden haben.
  • Vereinfachter Nachweis: Bei Spenden bis 300 Euro genügt in den gesetzlich genannten Fällen der Bareinzahlungsbeleg oder die Buchungsbestätigung. Bei Spenden an steuerbegünstigte Körperschaften ist zusätzlich der vom Empfänger hergestellte Beleg aufzubewahren.
  • Ausländische Empfänger innerhalb von EU und EWR: Bei nicht im Inland ansässigen Empfängern gelten zusätzliche Voraussetzungen. Erforderlich sind insbesondere Amtshilfe und Unterstützung bei der Beitreibung durch den jeweiligen Staat. Eine Zuwendungsbestätigung darf der ausländische Empfänger nur ausstellen, wenn er im Zuwendungsempfängerregister nach § 60b AO aufgenommen ist.

Vorteile

  • steuerlicher Effekt: Spenden mindern als Sonderausgaben das Einkommen und damit regelmäßig auch die steuerliche Bemessungsgrundlage.
  • flexibler Vortrag: Übersteigende Spenden können in spätere Jahre übernommen werden, statt sofort zu verfallen.
  • vereinfachter Nachweis: Bei kleineren Spenden bis 300 Euro reicht in vielen Fällen der Zahlungsbeleg.
  • zusätzlicher Stiftungsabzug: Vermögensstockspenden an Stiftungen können neben dem allgemeinen Höchstbetrag gesondert begünstigt sein.
  • elektronischer Datenweg: Spenden können auf Wunsch elektronisch an die Finanzverwaltung gemeldet werden.

Nachteile

  • begrenzte Sofortwirkung: Hohe Spenden wirken steuerlich nicht immer vollständig im selben Jahr.
  • eingeschränkter Mitgliedsbeitrag: Beiträge an Sport-, Freizeit- und bestimmte Brauchtumskörperschaften sind nicht abzugsfähig.
  • formaler Nachweis: Ohne ordnungsgemäße Zuwendungsbestätigung oder zulässigen vereinfachten Beleg scheidet der Abzug aus.
  • komplexer Auslandsbezug: Bei Empfängern im EU-/EWR-Ausland gelten zusätzliche rechtliche und tatsächliche Voraussetzungen.
  • besonderer Prüfungsaufwand: Aufwandsspenden und Sachspenden erfordern eine besonders sorgfältige rechtliche und tatsächliche Prüfung.
HINWEIS DER REDAKTION
Unser Steuerlexikon basiert auf dem jeweils aktuellen Stand von Rechtsprechung und Gesetzgebung zum Zeitpunkt der Erstellung. Da sich steuerliche Regelungen dynamisch entwickeln, können spätere Anpassungen erforderlich sein. Wir verfolgen Änderungen kontinuierlich und aktualisieren die Inhalte regelmäßig. Dieses Lexikon ersetzt keine individuelle Steuerberatung. Bitte konsultieren Sie in spezifischen Fällen einen Steuerberater.


Fazit

Der Spendenabzug ist ein zentraler steuerlicher Fördermechanismus für gemeinnütziges Engagement. Entscheidend sind der richtige Empfänger, ein begünstigter Zweck und ein ordnungsgemäßer Nachweis. Für normale Spenden gilt der Sonderausgabenabzug nach § 10b EStG mit Vortrag in spätere Jahre, für Parteispenden zusätzlich die unmittelbare Steuerermäßigung nach § 34g EStG. Wer Mitgliedsbeiträge, Aufwandsspenden, Stiftungsspenden oder Auslandsfälle richtig einordnet, kann den steuerlichen Vorteil rechtssicher nutzen.

Häufige Fragen (FAQ)

Welche Spenden sind beim Spendenabzug begünstigt?

Begünstigt sind Zuwendungen an juristische Personen des öffentlichen Rechts, öffentliche Dienststellen sowie steuerbefreite Körperschaften, Personenvereinigungen oder Vermögensmassen, soweit die Zuwendungen steuerbegünstigten Zwecken nach §§ 52 bis 54 AO dienen. Bei nicht im Inland ansässigen Empfängern kommen zusätzliche Voraussetzungen hinzu.

Wie hoch ist der Spendenabzug pro Jahr?

Der allgemeine Höchstbetrag beträgt bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte oder bis zu 4 Promille der Summe der gesamten Umsätze sowie der im Kalenderjahr aufgewendeten Löhne und Gehälter. Für Vermögensstockspenden an Stiftungen und für Parteispenden gelten besondere Zusatzregelungen.

Reicht ein Kontoauszug als Nachweis?

Ein vereinfachter Nachweis genügt bei Spenden bis 300 Euro in den gesetzlich bestimmten Fällen. Dann reichen Bareinzahlungsbeleg oder Buchungsbestätigung; bei Spenden an steuerbegünstigte Körperschaften ist zusätzlich der vom Empfänger hergestellte Beleg aufzubewahren. Im Übrigen bleibt die Zuwendungsbestätigung der Regelfall.

Was passiert, wenn meine Spende den Höchstbetrag überschreitet?

Übersteigende Beträge werden nicht gestrichen. Sie sind im Rahmen der gesetzlichen Höchstbeträge in den folgenden Veranlagungszeiträumen als Sonderausgaben abzuziehen. Dadurch kann ein Spendenvortrag entstehen.

Sind Mitgliedsbeiträge ebenfalls abziehbar?

Mitgliedsbeiträge sind nur teilweise begünstigt. Nicht abziehbar sind insbesondere Beiträge an Sportvereine, an Körperschaften mit kulturellen Freizeitbetätigungen, an Körperschaften der Heimatpflege und Heimatkunde sowie an die in § 52 Abs. 2 Satz 1 Nr. 23 AO genannten Zweckbereiche. Kunst- und Kulturförderung kann dagegen begünstigt sein.

Können Aufwandsspenden berücksichtigt werden?

Aufwandsspenden kommen in Betracht, wenn ein wirksamer Anspruch auf Aufwendungsersatz bestand, dieser durch Vertrag oder Satzung eingeräumt wurde und auf ihn wirksam verzichtet worden ist. Nach der Verwaltungsauffassung muss der Anspruch bereits vor der Tätigkeit bestanden haben und darf nicht von vornherein unter der Bedingung des Verzichts stehen.

Wie funktionieren Parteispenden steuerlich?

Parteispenden unterliegen einer Sonderregel. Zunächst ermäßigt § 34g EStG die tarifliche Einkommensteuer um 50 Prozent der Ausgaben, höchstens um 1.650 Euro; bei zusammen veranlagten Ehegatten beträgt der Höchstbetrag 3.300 Euro. Soweit für Zuwendungen an politische Parteien keine Steuerermäßigung nach § 34g EStG gewährt wurde, können zusätzlich bis zu 3.300 Euro, bei zusammen veranlagten Ehegatten bis zu 6.600 Euro, als Sonderausgaben nach § 10b Abs. 2 EStG abgezogen werden. Unabhängige Wählervereinigungen werden dagegen nur von § 34g EStG erfasst.

Quellen

  • Einkommensteuergesetz, § 10b „Steuerbegünstigte Zwecke“, amtliche Fassung, abgerufen am 25.03.2026. (Bundesministerium der Finanzen)
  • Einkommensteuer-Durchführungsverordnung, § 50 „Zuwendungsbestätigung“, amtliche Fassung, abgerufen am 25.03.2026. (Bundesministerium der Finanzen)
  • Einkommensteuergesetz, § 34g „Steuerermäßigung bei Zuwendungen an politische Parteien und an unabhängige Wählervereinigungen“, amtliche Fassung, abgerufen am 25.03.2026. (Bundesministerium der Finanzen)
  • Abgabenordnung, §§ 52 bis 54 „steuerbegünstigte Zwecke“, amtliche Fassung, abgerufen am 25.03.2026. (Gesetze im Internet)
  • Abgabenordnung, § 60b „Zuwendungsempfängerregister“, amtliche Fassung, abgerufen am 25.03.2026. (Gesetze im Internet)
  • BMF Amtliches Einkommensteuer-Handbuch 2025, Anhang 37 III „Steuerliche Anerkennung von Spenden durch den Verzicht auf einen zuvor vereinbarten Aufwendungsersatz (Aufwandsspende) bzw. einen sonstigen Anspruch (Rückspende)“, abgerufen am 25.03.2026. (Bundesministerium der Finanzen)
  • Bundesministerium der Finanzen, „Gute Sache! Steuervorteile bei Ehrenamt und Spenden“, Stand 30.01.2026, abgerufen am 25.03.2026. (bundesfinanzministerium.de)

Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.